Erziehung/Ausbildung

 

So viele Hunde-, ausbilder, trainer- und besitzer es gibt, so viele Meinungen gibt es über dieses Thema. Auch an Unmengen von Literatur, Videos und sonstigen Veröffentlichungen fehlt es nicht.  Sieht man sich um, wird man von Unmengen von Hilfsmitteln schier erschlagen, als da sind: Clicker, die verschiedensten Leinen und Kopfhalterungen, Geschirre, Stachelhalsbänder, Zitrusduftverspritzer, Elektroreizgeräte, Hundepfeifen und natürlich das beliebte Leckerli. Diese Liste ließe sich beliebig verlängern. Alle diese Bemühungen, Theorien und Hilfsmittel haben im Endeffekt nur das eine, eigentlich ganz einfach zu verstehende Ziel: Dem Hund zu motivieren das zu tun was wir von ihm wollen bzw. das zu unterlassen, was er nicht tun soll. Erinnern wir uns an Kapitel 2: Wozu soll er das und das machen? Welche Vorteile bringt es ihm? Nun, hierbei sind die Hunde so verschieden wie wir Menschen. Was den einen motiviert, wirkt bei dem anderen überhaupt nicht. Ich habe hier bewusst den Komplex Erziehung/Ausbildung zusammengefasst, bin mir aber bewusst, das dies natürlich zwei verschiedene Themen sind. Jedoch haben sie eine Gemeinsamkeit: Das Lernen. Da sich menschliche und hundliche Sprache voneinander unterscheiden, muss es zwangsläufig zu Missverständnissen kommen, die dann den gewünschten Lehr-/Lernerfolg nicht bringen. Grundsätzlich sei hier gesagt: Erziehung ohne Zwang gibt es nicht. Weder beim Menschen noch beim Tier. Wobei Zwang selbstverständlich nicht mit Gewalt zu verwechseln ist (was selbst viele erfahrene Hundeleute noch tun). Wenn Sie über einen Hund dominieren, zwingen Sie ihn zu einem bestimmten Verhalten. Dasselbe, wenn Sie ihm Halsband und Leine anlegen oder ihm ein Kommando geben. So ist Zwang gemeint. Auch antiautoritäre Erziehung beim Hund muss aufgrund der natürlichen Veranlagung des Hundes zweifellos scheitern (siehe auch Günter Bloch, Erik Zimen, Eberhard Trumler). Zum Verständnis: unter autoritär verstehe ich mit Konsequenz unter Berücksichtigung der hundlichen Eigenarten. Noch mal sei vor unsinniger Gewalteinwirkung wie Schläge oder dergleichen gewarnt.  Damit wird das Vertrauen zu unserem Hund ge- und zerstört. Zu Recht! Anknüpfend möchte ich kurz auf die Lerntheorien eingehen. Ich erspare mir hier die Definitionen der verschiedenen Konditionierungsarten und ihre Auswirkungen, sondern möchte nur die positive und negative Verstärkung erwähnen. Werner Biereth schreibt hierzu
in seinem Buch: "Die im Organismus des Hundes angelegten Triebe (Motivationen) werden durch von außen einwirkende Reize ausgelöst und veranlassen den Hund zu einem bestimmten Verhalten. Ist das Ergebnis dieses Verhaltens für den Hund positiv, löst es Befriedigung und Glücksgefühle bei ihm aus. Somit wird dieses Verhalten verstärkt. Der Hund wird dieses Verhalten oft und gerne zeigen. Hat sich dagegen sein Verhalten als nutzlos erwiesen, wird er es abbauen oder sogar ganz einstellen. Die Verhaltensforscher sprechen hier von positiver oder negativer Verstärkung". Zuallererst müssen wir uns davon befreien, dass der Hund alles von uns lernt. Er lernt durch Erfahrungen mit der Umwelt. Durch Reize die ihn zu einem bestimmten Verhalten veranlassen. Genau hier ist schon ein Ansatzpunkt für uns. Nehmen wir z.B. Lärm und Krach. Der Welpe wird bei einem lauten, unbekannten Krach vielleicht zusammenzucken und sich an uns schmiegen. Wenn wir ihn jetzt auf den Arm nehmen und trösten, wird er dieses Wohlgefühl mit dem Krach verknüpfen und dieses Verhalten auch weiterhin beibehalten. D.h. er wird sich bei Lärm schutzsuchend an uns drängen. In letzter Konsequenz haben wir ihn zur Ängstlichkeit erzogen. Wird der Hund und der Krach dagegen ignoriert und wir verhalten uns einfach neutral, wird er sehr schnell lernen, den Lärm zu ignorieren. Sie sehen, man muss nicht immer positiv oder negativ verstärken, man kann auch einfach neutral bleiben. Was ist also + und - Verstärkung? Ganz simpel gesagt, beim positiven Verstärken belohne ich den Hund für sein gezeigtes Verhalten. Sei es verbal, durch streicheln, durch Futter, durch Spiel oder sonst wie. Wichtig dabei ist, dass der Hund das Verhalten freiwillig ausführt (natürlich hilft man ihm anfangs, damit er weiß um was es geht, z.B. durch sanftes Niederdrücken der Kruppe beim Sitzkommando). Das "Geheimnis" des Erfolges liegt darin dass die Belohnung unmittelbar nach dem erfolgten Verhalten erfolgen muss, damit der Hund richtig verknüpft. Ein Beispiel: Sie geben das Kommando "Sitz", der Hund setzt sich und sofort erfolgt die Belohnung. Der Hund empfindet dies natürlich als äußerst angenehm, wird dieses Verhalten aufgrund der gemachten Erfahrung natürlich gerne wieder zeigen und im Laufe der Zeit mit den Kommandos verknüpfen. Beim negativen Verstärken wird ein unerwünschtes Verhalten möglichst schon im Ansatz unterbrochen. Dies kann auch wieder auf die verschiedensten Weisen wie lautes Kommando, Wurfkette, Discscheiben, Wasserstrahl usw. erfolgen. Wichtig dabei ist, dass das zu erwartende Verhalten im Moment der Ausführung negativ unterbrochen wird. So verknüpft  der Hund es mit einer unangenehmen Erfahrung und wird dieses Verhalten entsprechend weniger oft wiederholen bzw. sich auch damit verbundene Kommandos einprägen. Meinen Hunden habe ich z.B. das Kommando "Stop" beigebracht, bei dem sie (im Musterfall) sofort alles abbrechen und einfach stehen bleiben.

Fehler bei der Erziehung/Ausbildung des Hundes werden wir immer machen. Nobody is perfect. Und das ist auch gut so. Denn das wichtigste im Umgang mit unserem Hund ist die Bindung. Ohne eine enge Bindung zwischen uns werden wir erhebliche Mühe haben mit unserem Tier zurecht zu kommen. Aus dieser engen Bindung heraus entsteht dann das, was alte Ehepaare gut kennen: Das Verstehen ohne viele Worte. Die Individualität die diese Beziehung zu unserem Hund kennzeichnet, ist für mich entscheidender und wichtiger als alle Prüfungsordnungen der Welt! Was gibt es schöneres, als seinen Hund anzusehen - oder umgekehrt - und genau zu wissen was der andere denkt/fühlt. In dieser Beziehung haben uns unsere Hunde einiges voraus, aber durch aufmerksames Beobachten, Lernen und Einfühlen in die Hundewelt können wir sehr viel erreichen.  

Unter dem Wesen eines Hundes verstehen wir alle angeborenen und erlernten Eigenschaften.

Zum besseren Verständnis für das oben beschriebene zeige ich Ihnen eine kleine Abhandlung aus der Praxis auf:

Wie wir nun wissen, stammt der Hund vom Wolf ab. Sehen wir uns nun die Lebensweise des Wolfes ein bisschen näher an. Wie allgemein bekannt, lebt der Wolf im Rudel. Diese Lebensform hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen. Ein Rudel kann verschieden groß sein, aber die Struktur bleibt gleich. Die Rudelführer (die sogenannten Alphatiere), welche das gesamte Rudel "führen" (ein Alphamännchen und ein Alphaweibchen) sind sozusagen für das Wohl und damit für das Überleben des Rudels verantwortlich. Jedes Rudelmitglied hat seine spezielle Aufgabe und Stellung im Rudel, welches es auch genau kennt. Dieses Verhalten ist überlebensnotwendig, denn z.B. bei der Jagd, bei der Welpenaufzucht, beim Verteidigen des Rudels usw. muss jeder wissen welche Aufgaben er zu übernehmen hat. Es liegt in der Natur des Wolfes, dass er von Zeit zu Zeit versucht, seine Stellung im Rudel zu verbessern, mit dem Ziel die Rudelführung zu übernehmen. Dabei kann es von Zeit zu Zeit zu Machtkämpfen mit den anderen Rudelmitgliedern oder auch mit den Rudelführern kommen (davon noch später). Wölfe spielen auch viel miteinander. Das Spiel nimmt eine sehr wichtige Funktion im Rudelleben ein. In diesen Spielen werden schon mal die Stärken und Schwächen des "Gegners" ermittelt und somit die Position des Einzelnen im Rudel bestätigt oder in Frage gestellt. Das Spiel ist im Grunde genommen immer eine "Übung" für den Ernstfall. Dieses Verhalten trifft auch für unsere Hunde zu, was später noch besprochen wird. Überhaupt gibt es noch viele Gemeinsamkeiten zwischen Wolf und Hund welche wir kennen sollten und auch müssen, um die Beweggründe für ein bestimmtes Verhalten unseres Hundes richtig deuten zu können und darauf gegebenenfalls auch entsprechend zu reagieren.

Alle Reaktionen des Hundes sind stets das Resultat seiner psycho-physischen Eigenschaften sowie seiner situationsabhängig gewonnenen Erfahrungen, oder wie es Eberhard Trumler schrieb: "Jeder erwachsene Hund ist das Ergebnis des Zusammenwirkens
von angeborenen Anlagen und den auf diese Anlagen einwirkenden Umwelteinflüssen."

Nun ist es also soweit - der Welpe ist im Haus. Falls Sie sich einen älteren Hund angeschafft haben können Sie von dem folgenden trotzdem noch einiges verwerten. Er ist bereits geimpft und erstmalig entwurmt. Falls nicht, setzen Sie sich mit Ihrem Tierarzt in Verbindung, er weiß was zu machen ist. Sie sollten, überhaupt bevor Sie den Hund in das Haus holen, wissen wo sich der nächste Tierarzt befindet. Im Notfall kann das entscheidend sein. Vergessen Sie auch nicht den Hund steuerlich anzumelden und zu versichern.

Welpen und Junghunde machen in ihrer Entwicklung verschiedene Phasen durch. Im Prinzip werden folgende Phasen unterschieden:

1. Vegetative Phase (1. und 2. Lebenswoche)

2. Übergangsphase (3. Lebenswoche)

3. Prägungsphase, Phase der Zuwendung zur Außenwelt (4. - 9. Woche)

4. Sozialisierungsphase (8. - 12. Woche)

5. Rangordnungsphase (4. Monat)

6. Rudelordnungsphase (5. und 6. Monat)

7. Pubertät (7. - 12. Monat)

Diese Phasen sind hinsichtlich der Zeitangaben rassespezifisch etwas unterschiedlich aber im Prinzip gleich, aber auch eineinander fliessend und keine starren Perioden.

Vielleicht sollten Sie sich einmal in den jungen Hund versetzen. Vor kurzem noch wohlbehütet bei der Mutter und Geschwister ist er nun mit einem Alter von ca. acht Wochen allein in einem fremden Haus mit fremden Gerüchen, Geräuschen und Personen. Es dürfte jedermann klar sein, dass dieses Wesen eine Portion Angst in sich hat. Deshalb sollte man sich mit dem Kleinen sooft wie möglich beschäftigen, ohne zu aufdringlich zu sein. In der Nacht ist ,allen Unkenrufen zum Trotz, der beste Platz für den Welpen eine Kiste, halb abgedeckt, im Schlafzimmer in der Nähe des Bettes. Die Nähe von Personen wird ihn beruhigen und das Aufstehen in der Nacht, um ihn zwecks Verrichtung seines Geschäftes nach draußen zu bringen, ist für das neugebackene Herrle/Fraule einfacher. Überhaupt, das leidige Thema Stubenreinheit. Man muss wissen, dass ein Welpe ab einem bestimmten Alter in der Regel seine "Höhle" (Wolfswelpen werden in Höhlen geboren) nicht beschmutzt. Aber um ein ganzes Haus bzw. eine Wohnung als seine Höhle zu betrachten, dauert es eine ganze Weile. So bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als bis dahin den Kleinen bei den ersten Anzeichen eines Entleerungsdranges (meist nach den Mahlzeiten und nach dem Schlaf) nach draußen zu bringen, möglichst auf den Platz, der von ihm in Zukunft benutzt werden soll. Dass es auch manchmal daneben geht, müssen Sie in Kauf nehmen. Strafen hierbei sind sinnlos und haben zu unterbleiben (Der Welpe wird von der Hündin auch nicht bestraft). Hierzu sei gesagt, dass ein Welpe in einem Rudel besonderen Schutz genießt; bestrafen unter Zufügung von großen Schmerzen findet praktisch nicht statt.
Was die Fütterung betrifft, halten Sie sich an die Anweisungen des Züchters. Falls nicht vorhanden, bietet jeder Futtermittelhersteller Welpenfutter an. In diesem Falle halten Sie sich an die Anweisung des Herstellers. Sie können sich auch beim Hersteller direkt erkundigen. Bei einigen Firmen gibt es sogar einen telefonischen Service, bei dem Fütterungsprobleme behandelt werden. Auch Ihr Tierarzt kann Ihnen weiterhelfen. Auf jeden Fall überfüttern Sie Ihn nicht. Füttern Sie möglichst immer zu verschiedenen Zeitpunkten. (Bedenken Sie, dass ein Wolf nur immer dann frisst, wenn er Beute hat.)
Falls er nichts frisst, wird das Futter entfernt und er bekommt erst wieder zum nächsten Futtertermin.
Sehr wichtig ist, dass Sie sich mit dem kleinen Hund oft beschäftigen. Gehen Sie mit ihm durch das ganze Haus/Wohnung, auf die Straße (zuerst auf dem Arm, später mit einem leichten Halsband und Leine), lassen Sie Ihren Besuch mit ihm spielen, insbesondere Kinder, usw. Je mehr Eindrücke und Erfahrungen der Hund sammelt, desto besser kann er sich später in seine Umgebung einfügen. Dazu gehört auch jede Art von Lärm, Geruchseindrücke und so weiter. Einfach die gesamte Umwelt. Auch bieten viele Hundevereine sog. Welpenspieltage an, bei denen die Welpen miteinander spielen können und sich so leicht an andere Hunde gewöhnen können. Sie beginnen damit auch schon mit der Erziehung. So sollten Sie den Welpen wenn er vor etwas erschrickt und Ihre Nähe sucht nicht gleich überschwänglich trösten, sondern das Erschrecken ignorieren und ihn einfach genau so behandeln wie immer. Sonst kann es passieren, dass er sich das Trösten als Belohnung auf sein Erschrecken einprägt und später bei jeder Kleinigkeit Ihre Nähe sucht um seine "Belohnung" abzuholen. Womit Sie nicht sparen sollten ist Lob. Wenn er was richtig gemacht hat, wird er überschwänglich gelobt. Sie werden sehen, wie es ihm mit der Zeit Freude macht etwas richtig zu machen. Fangen Sie ruhig damit an ihn an Kommandos zu gewöhnen. Wenn er im Begriff ist sich hinzusetzen, sagen Sie "Sitz", dasselbe beim Hinlegen. Sagen Sie "Platz" und loben Sie ihn. So gewöhnt er sich ohne Zwang an die einfachen Kommandos. Geben Sie auf jeden Fall immer die gleichen Kommandos, wie Sie ihm später auch geben werden. Wenn Sie ihm ein Leckerli geben, lassen Sie ihn in das "Sitz" oder "Platz" gehen, falls er es schon beherrscht So verknüpft er Kommandos mit etwas Angenehmen. Falls er etwas falsch oder etwas Verbotenes macht, wird er ignoriert oder mit einem deutlichen "Nein" oder "Pfui" darauf hingewiesen. Wichtig ist, dass der Hund absolutes Vertrauen in Sie hat - und keine Angst vor Ihnen. Ihr Herbeirufen und Ihre Nähe muss er immer mit etwas positiven verknüpfen. Spielen Sie viel mit Ihrem Hund. Wichtig dabei ist, dass Sie bestimmen wann das Spiel begonnen und wann es beendet wird. Gewöhnen Sie ihm an, sich von Ihnen von Kopf bis Fuß untersuchen zu lassen. Bei dieser spielerischen Untersuchung können Sie evtl. vorhandene Probleme (z.B. Zecken, Verletzungen usw.) feststellen. Sehen Sie ihm in das Maul, in die Ohren, kontrollieren Sie die Ballen ,das Fell, die Augen usw. All das dient auch dazu dem Hund zu zeigen welche Stellung er hat und welche Sie haben. Sie sind der Boss, das "Alpha-Tier" und Sie dürfen alles. Seien sie freundlich zu Ihrem Hund - aber von Anfang an konsequent. Sie bestimmen wo es lang geht ! Seien Sie sich aber darüber im klaren, dass Sie Ihre Stellung als Rudelführer nur durch Respekt und Souveränität erwerben und erhalten können. Hunde sind in dieser Beziehung äußerst feinfühlig. Angst zu erzeugen ist hier mit Sicherheit nicht der richtige Weg. Machen Sie nicht den Fehler und gestatten Sie dem Hund etwas, was Sie ihm am nächsten Tag verbieten. So entstehen keine Unsicherheiten beim Hund. Ihr Hund muss wissen, welche Stellung er in Ihrem "Rudel" einnimmt, was von ihm erwartet wird bzw. was toleriert wird. Darüber darf es keine Unsicherheiten oder Unklarheiten geben. Gerade bei später großwüchsigen Hunden scheuen sich manche Leute konsequent durchzugreifen. Konsequenz ist jedoch nicht mit roher Gewalt zu verwechseln! Das birgt nicht unerhebliche Gefahren in sich, da der Hund naturgemäß versucht Schwächen auszunutzen um einen höheren Rang zu erklimmen. Besonders später im Flegelalter von etwa 7 - 12 Monaten nimmt der Respekt vor Ihnen deutlich ab. Hier hilft nur Konsequenz und Geduld. Bei falscher Erziehung ist es z.B. einem ausgewachsenen Schäferhund oder Rottweiler dann nicht mehr so einfach beizubringen welche Stellung er innehat. Es ist zwar nicht gänzlich unmöglich, aber hier ist eine gehörige Portion Hundeerfahrung notwendig.
Mit zunehmenden Alter muss man Fehlverhalten auch härter "bestrafen". So muss er z.B. lernen, dass seine Zähne ganz schön scharf sind und er Ihnen damit keine Schmerzen zufügen darf. Festes Zubeißen, meist im Spiel, wird mit einem scharfen "Pfui" oder "Nein" geahndet. Auch dürfen Sie ihm das Fressen wegnehmen ohne das er Sie anknurrt. Wenn er es zu toll treibt, kann man ihn auch dabei ein wenig in das Genick oder in die Seite kneifen. Keine Angst dabei - beim Spiel oder bei Auseinandersetzungen sind die Welpen nicht zimperlich miteinander. Ein Hund will immer einen möglichst angenehmen Zustand herbeiführen und einen unangenehmen vermeiden. Das Erreichen Sie mit viel Lob und Belohnungen. Strafen sollten aber immer die Ausnahmen bilden.
Grundsätzlich sei gesagt, ein Hund lernt genauso wie ein Kleinkind - nur aber mit der Hundesprache. Dass heißt, er versteht nicht Ihre Worte, dafür aber Ihre Gesten, Ihre Mimik, die Lautstärke Ihrer Worte - kurzum Ihr gesamtes Verhalten. Er merkt auch sehr schnell wie Sie "drauf" sind. Dieses Verstehen Ihres Hundes wird je ausgeprägter je länger Sie ihn haben. Er kennt Sie dann "in- und auswendig" und es ist sehr schwer ihn zu täuschen. Falls Sie mal schlechte Laune haben, unternehmen Sie nichts mit dem Hund, der Hund hat keinen Spaß und Sie auch nicht.
Aber - vermenschlichen Sie den Hund auf keinen Fall.
D.h. interpretieren Sie nicht menschliche Gefühle in den Hund (schlechtes Gewissen, Rache, Schämen usw.) - die hat er nämlich nicht !
Aufgrund Ihrer liebevollen aber konsequenten Einstellung zu Ihrem Hund ist er nun ein lieber, kleiner Racker geworden, der schon die Milchzähne verloren hat und nun beim Urinieren anfängt das Bein zu heben, falls es ein Rüde ist. Er ist nun um die acht Monate alt. Dass heißt, der Hund oder Hündin wird jetzt geschlechtsreif. Ein neuer Abschnitt im Leben unseres Vierbeiners. Den Duftmarken auf dem Spazierweg kommen jetzt ganz neue Bedeutungen zu. Ihr Rüde wird jetzt tatendurstiger werden und vielleicht versuchen mal auszubüchsen. Rüden können eine läufige Hündin einige Kilometer riechen. Es ist erstaunlich, welche Beharrlichkeit Rüden an den Tag legen um zu einer läufigen Hündin zu gelangen und welche Hindernisse sie dabei überwinden können. Hier gilt, den Hund bei Rückkehr nicht zu bestrafen, er wird es nicht mit dem Weglaufen verknüpfen sondern wird seine Rückkehr mit der Strafe in Verbindung bringen. Des öfteren auf diese Weise bestraft, kann es passieren, dass ihr Hund nicht mehr oder nur sehr ungern zu Ihnen kommt. Dies muss auf jeden Fall vermieden werden. Grundsätzlich soll das Herankommen des Hundes immer positiv für den Hund sein ! Auch auf Ihre Hündin gilt es jetzt vermehrt achtzugeben. Läufigkeit kommt schließlich von Laufen. Eine Hündin wird in der Regel zweimal im Jahr läufig. Manchmal kommt es vor, dass eine Hündin nach der Läufigkeit scheinträchtig wird. Es wäre sinnvoll, sich frühzeitig (vor der Geschlechtsreife) mit dem Tierarzt wegen einer eventuellen Kastration zu beraten, schon um unerwünschten Nachwuchs zu vermeiden. Aber auch zu einem späteren Zeitpunkt ist eine Kastration ohne weiteres möglich. Eine Sterilisation ist die Durchtrennung oder Abbinden der Eileiter bei der Hündin bzw. der Samenstränge beim Rüden. Eine Kastration ist die Entfernung der Hoden beim Rüden und die Entfernung der Eierstöcke (mit oder ohne Gebärmutter) bei der Hündin.
Jetzt ist auch der Zeitpunkt gekommen, sich intensiver mit der Ausbildung des Hundes zu befassen. Ziel ist es dabei, dass Sie Ihren Hund in jeder Situation beherrschen. Insbesondere im Straßenverkehr, aber auch zu Hause (Stichwort Postbote!). Anzuraten ist auf jeden Fall bei einem der Hundevereine einen sog. Erziehungskurs zu belegen. Hier werden die Grundlagen gelegt um aus Ihrem Hund einen folgsamen Gefährten zu machen, den Sie unbesorgt überall mit hinnehmen können. Der Hund sollte folgende Kommandos "im Schlaf" beherrschen:

1. Komm oder Hier
2. Sitz
3. Fuß
4. Platz
5. Bleib

Diese Übungen kann der Hund bereits, er kann sitzen, Platz machen usw. Alles was er lernen muss ist, dieses auf Ihr Kommando auszuführen. Hierzu sei gesagt, dass Sie mit Ihrem Hund ein Leben lang üben müssen. Täglich ein paar Minuten reichen, damit er die Grundkommandos nicht verlernt bzw. vergisst. Wenn man korrekt ausgeführte Übungen noch mit entsprechenden Belohnungen (Leckerli) honoriert, wird sich der Hund geradezu auf die Übungen freuen. Vergessen Sie aber nicht viel Geduld zu zeigen. Von heute auf morgen kann ein Hund nicht ausgebildet werden. Es ist wichtig, dass die Übungen Freude und nicht Angst hervorrufen.

Geduld und Konsequenz ist der Schlüssel zum Erfolg !